Catholic Austria

Israel 2015: Die Erkenntnis einer Reise

“Neben den vielen schönen Erinnerungen bleibt mir sicher eines noch länger und zwar mehr im Hier und Jetzt zu leben, als mit den Gedanken ständig beim nächsten Tag, beim nächsten Fest oder bei den vielen tollen Sachen in der Zukunft zu sein.”

Am Freitag vor Palmsonntag machten sich 20 junge Menschen auf den Weg nach Israel, um in der Wüste von Negev Ostern zu feiern. Angekommen am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv-Jaffa führte uns die Reise weiter an den See Genezareth, zwei Tage nach Jerusalem, von Gründonnerstag bis Ostersonntag in die Wüste und abschließend zurück ans Mittelmeer nach Tel Aviv. Das Programm war also sehr dicht gepackt für ein Land mit so viel Kultur und Geschichte.

Besonders an den vielen schönen Orten neigt man dazu, Eindrücke möglichst schnell mit der Kamera festzuhalten, um dann gleich weiter zu können – mit dem einzigen Ziel vor Augen, ja nichts auszulassen oder zu verpassen. Abgesehen davon, dass es natürlich nicht möglich ist die Schönheit eines einzelnen Moments in ein Bild zu packen, ist es eine sehr stressige Art zu reisen.

Ist das schon nicht genug, so zwingt mich die lösungsorientierte Herangehensweise, welche ich als Student des Maschinenbaus Tag ein Tag aus eingetrichtert bekomme, meine Gedanken immer auf anstehende Ereignisse in der Zukunft zu richten und nicht auf den Augenblick selbst. Kurz gesagt, ich denke bereits bei der Ankunft in der wunderschönen Altstadt von Jerusalem über eine möglichst effiziente Art nach, den nächsten Tag anzugehen.

Selbst in der Wüste, in der jeder Tag praktisch gleich aussah, lag der Fokus in den ersten Tagen immer beim nächsten Tag oder beim nächsten Ereignis. Doch nach drei Tagen ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne die Zahlreichen Möglichkeiten sich zu beschäftigen richtete sich meine Aufmerksamkeit langsam auf andere Dinge.

Wie etwa das Beisammensein am Lagerfeuer, ein tolles Gespräch während man in der Einöde vor sich hin geht oder einfach auf mich selbst. Wenn man wegen der Dunkelheit und Kälte schon um 21:30 Uhr im Schlafsack liegt, hat man Zeit andere Dinge auf sich wirken zu lassen.

An den letzten zwei Tagen in Tel Aviv schien alles gleich zu sein, obwohl sich doch etwas geändert hatte. Ich trank ein gemütliches Bier am Strand, ohne einen Gedanken an die Zugverbindung von Wien nach Dornbirn zu verschwenden; ich genoss das letzte gemeinsame Abendessen, ohne mich schon über die nervtötende Sicherheitskontrolle am Flughafen zu ärgern.

Neben den vielen schönen Erinnerungen bleibt mir sicher eines noch länger und zwar mehr im Hier und Jetzt zu leben, als mit den Gedanken ständig beim nächsten Tag, beim nächsten Fest oder bei den vielen tollen Sachen in der Zukunft zu sein. Natürlich funktioniert dies nicht immer, aber mit etwas Aufmerksamkeit in diese Richtung ertappt man sich selbst früh genug.

Für Fotos von der Osterreise in Israel clicke hier.