Catholic Austria

Israel: Ein Abenteuerbericht

Ein konventioneller Reisebericht beginnt immer am Beginn der jeweiligen Reise. In diesem Fall müsste ich nun erzählen, dass unsere 23 köpfige Gruppe am Abend des 18. März 2016 vom Flughafen Wien aus nach Israel aufgebrochen ist um Ostern in der Wüste zu feiern. Außerdem müsste ich erklären, dass wir die darauffolgenden Tage Station in Nazareth, Kafarnaum, Jerusalem, am Toten Meer, in Palästina und anderenorts machten, ehe wir wieder in die Heimat zurückkehrten. Aber das tue ich nicht. Ich kann für diesen Artikel keinen Reisebericht schreiben, weil diese Reise auch in Retrospektive sehr wenig von einer Reise und alles von einem Abenteuer hatte. Lesen Sie also nun: einen Abenteuerbericht.

Wer denkt Pater Martin Rauch, der Vater dieser Unternehmung, zu kennen, den muss ich an dieser Stelle gleich enttäuschen. Niemand kennt „Abuna“(=arabisch für ‚der Priester‘) wirklich, ist er noch nicht mit ihm verreist. Die erste Regel für das Reisen mit Martin ist: vertraue auf Martin und Martin vertraut auf Gott. Auch wenn nicht immer klar ist wie der umtriebige Gottesmann Dinge spontan „organisiert“ oder „arrangiert“, so funktionierte sein „Geschäftsmodell“ relativ reibungslos. Hatten wir auch hin und wieder zu wenig Betten reserviert, nicht wirklich eine Ahnung wie wir in die West Bank einreisen sollten, oder von wo aus wir weiterfahren würden, irgendwie und mit ganz viel Rosenkranz beten ging es immer weiter.

Ich weiß nicht wo ich mehr gelernt habe, ob in den kriminell überfüllten Bussen und Großraumtaxis, in der Einsamkeit der Steinwüste Navgha, im von Vögeln bewohnten Haus des Beduinen Junis dessen Verständigung sich auf den Satz „Abuna I love you“ zu beschränken schien oder den palästinensischen Christen die uns so selbstverständlich aufnahmen und für deren Gastfreundschaft es keine Worte gibt. Was ich weiß ist, dass mich die Bilder und Begegnungen, die Gerüche, Geräusche und Eindrücke aus diesem wunderbaren Land noch lange beschäftigen und mein ganzes Leben prägen und begleiten werden.

Als Theologin war es mein großer Wunsch Israel, das Land Gottes, der Bibel und der Geschichte zu sehen und ohne es zu wissen bin mit so unendlich viel mehr beschenkt worden. Deswegen möchte ich Ihnen abschließend sehr ans Herz legen mehr Abenteuer und weniger Reisen zu unternehmen. Sich öfter mal keine Pläne zu machen. Den Menschen ins Gesicht zu schauen. Sich Zeit zu nehmen um einfach nur Zeit zu haben. Einen arabischen Kaffee zu trinken. Grimmigen Menschen ein Lächeln zu schenken. Einfach mal ins Gespräch zu kommen – mit anderen- mit mir selbst- mit Gott. Und dann lassen Sie sich überraschen. Einfach weil Sie es können.