Catholic Austria

Wenn wir ihm wirklich alles überlassen

„Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ (Johannes 2:16)

Das Haus Gottes ist jede und jeder von uns, und als solches sollten wir genau das tun, wozu wir gemacht sind: Gott auch wirklich in dieses Haus hineinlassen. Ihn wirklich auf den „Thron“ in diesem Haus setzen, ihn als Fundament nehmen, auf ihm aufbauen.

Wenn ich dieses Haus zu einer Markthalle mache, würde ich das Potenzial vergeuden. Eine Markthalle ist für mich ein Raum der vielen und doch keinem gehört. Viele unwichtige Kleinigkeiten beanspruchen dort Platz, ohne ihn wirklich zu füllen.

Es kann in meinem Leben so sein, dass ich mich über den Sport den ich mache definiere, über meine Beliebtheit im Freundeskreis, oder über die Anzahl der Männer die mir schöne Augen machen. Natürlich, Gott WILL schöne und tiefe Freundschaften für uns, er will dass wir den uns geschenkten Körper gut nutzen und er hat auch bestimmt schon einen Mann für mich geplant, aber sein Platz sollte trotzdem nicht dadurch weggenommen werden. Und das will er nicht aus Eifersucht so, sondern aus Liebe. Denn er weiß, dass der Platz den er einnehmen sollte von keinem anderen Mensch, keiner anderen Sache, gefüllt werden kann.  Alles andere kann einem so einfach weggenommen werden, es ist auf lange Sicht so banal.

Das ist mir einmal klar geworden als ich bei meinem typischen Mädchentraum (ich heirate einen liebevollen, großen, wunderschönen Mann – die Liebe meines Lebens. Wir haben 3 Kinder und wohnen in einem weißen Haus mit großen Fenstern, Garten und Hund…) weitergedacht habe: Was wäre wenn mein Mann dann bei einem Autounfall stirbt? Hätte ich bis zu diesem Zeitpunkt meine Existenz durch diesen Menschen definiert, wäre jetzt alles weg. Es geht also gar nicht anders als meine ganze Zuversicht auf Gott zu setzen und ihn als Mittelpunkt zu nehmen.

Und eigentlich macht im Evangelium Jesus genau das: er vertreibt alle, nimmt alles weg und zerstört den Tempel.  Er zeigt uns unsere Fehler. Aber schön, dass es genau Jesus ist, der das macht, denn im gleichen Atemzug sagt er ja auch „ich baue den Tempel wieder auf“ und meint dabei viel mehr als einen Tempel – ich baue DICH wieder auf, lass mich dir helfen.

Und wie lasse ich mir denn helfen? Indem ich voll auf ihn vertraue. Bedingungslos – so wie er uns liebt.  Und weil er uns so liebt können wir auch sicher sein, dass er etwas Großartiges machen wird, wenn wir ihn nur lassen. Ich muss ihm aber vorher auch wirklich den ganzen Platz geben, alles andere aus dem Weg stellen, damit er anfangen kann und es auch so beenden kann wie vorgesehen.

Es wäre das Gleiche, wenn ich einen Maler in mein Haus lassen aber das obere Stockwerk zusperren würde – er würde zwar alles in seiner Macht Stehende tun um das untere Stockwerk schön auszumalen, aber im oberen Teil könnte er nichts machen, weil er ja nicht reinkommt…  Ich kann nicht erwarten, dass Jesus bei mir alles in Ordnung bringt, wenn ich ihm nicht zuerst die ganze Unordnung zeige und ihn auch überall rein lasse. Auch wenn er den Teil den wir ihm geben wunderschön neu aufbauen wird, denke ich dass es noch viel schöner sein könnte wenn wir ihm wirklich alles überlassen.